Tinku

Was ist also der Tinku?

In den Augen ausländischer BeobachterInnen wird der Tinkus oft als ein sehr gewalttätiger Kampf zwischen zwei Gruppen beschrieben, bei dem die Fäuste donnern und oft Blut fließt. Manchmal, heißt es, käme es sogar zu Toten. So stellte die New York Times einen Fotoessay von Lisa Wiltse über Tinku online, bei dem harte Kampfszenen, Verletzte, ein Tränengaseinsatz der Polizei und scheinbar ungerührt zuschauende Indigene zu sehen sind. Gleichzeitig werden hier in Europa oft Tinkus – traditionelle bolivianische Tänze gezeigt. 

Was ist also der Tinku? Wie Waldo Acebey im Folgenden erklärt, ist der Tinkus ein zeremonieller Ritus, bei dem sich die Philosophie, die Religion und die Kosmovision der originären Völker zu einer mystischen Frömmigkeit vereinen.

Tinku ist ein Quechua-Wort und bedeutet Treffen, Zusammenkunft, Gleichgewicht, Übereinstimmung. Es bezeichnet die rituellen Kämpfe, bei denen sich zwei gegnerische Gruppen gegenüberstehen, die oft als Alasaya (die von oben) und Majasaya (die von unten) bezeichnet werden. Es scheint eine kriegerische Schlacht zu sein, aber in Wirklichkeit ist es ein Ritus, der vereint und nicht trennt. 

Der Tinku ist ein Zusammentreffen zwischen zwei Elementen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen: Tincuthaptatha, ein Treffen zwischen denen, die auf dem Weg kommen, und denen, die gehen. Es geht also nicht darum, dass ein Element das andere besiegt und unterdrückt, es ist kein Kampf bis zum Tod, sondern für das Leben. Aus dem Gegensatz entsteht das Leben, es ist der Boden für Fruchtbarkeit und Nachkommen.

Die Herkunft des Tinkus ist präinkaisch. Bolivianische HistorikerInnen wie José Mesa, Teresa Gisbert de Mesa und Carlos D. Mesa betonen, dass der Tinku bereits vor der Ankunft der Inka praktiziert wurde. Er hat sich ohne Veränderungen oder Synkretismus erhalten. Es ist ein Opfertanz für die Pachamama (Mutter Erde), in dem die Männer der Region ihre Kraft und Stärke zeigen.

Mehr Infos findest du unter dem folgenden Link: https://www.ila-web.de/

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