Diablada

diablada - amigos de bolivia

Dieser Tanz ist einer der prächtigsten und originellsten Tänze Boliviens. – Nicht umsonst ist er auch außerhalb der Landesgrenzen sehr bekannt. Die Diablada ist gleichzeitig auch ein Symbol für den Karneval von Oruro, der 2001 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Bei der Diablada kommt es zu einer starken Verquickung der andinen Weltanschauung, in diesem Fall repräsentiert durch den Kult um den bösen „Supay“, um „Huari“, den Gott der Berge, und dem Teufel der christlichen Liturgie.

Fern von ihren Heimatgemeinden huldigten die von ihren Herren zur Zwangsarbeit verpflichteten Aymara-Indianer in den Tiefen der Minen weiter ihrem Gott „Huari“, nunmehr umgedeutet zum Herr der Höhlen, zum „Tío“. Hier nahm der „Tío“ wohlwollende Züge an und die Minenarbeiter begannen, ihm Chicha, Alkohol und Coca zu opfern, um im Gegensatz Reichtum und Schutz zu erbitten. Als die indianische Bevölkerung mit der Zeit den christlichen Glauben übernahm, verband sie ihn mit ihren ursprünglichen Festen, so wie z. B. dem „jatun poccoy“, das mit dem europäischen Karneval zusammengebracht wurde. Der dramatisierte Kampf zwischen dem Erzengel Michael, der Candelaria-Jungfrau und den Teufeln kann zweifach interpretiert werden. – Im christlichen Sinne handelt es sich um einen Kampf mit dem Teufel Luzifer und den sieben Todsünden.

Auf der anderen Seite wurde schon bei den legendären Urus, den Ureinwohnern Oruros „Huari“ verehrt, ein Gott der Kraft, des Feuers und der Berge, der die in Degeneration befindlichen Urus ausrotten wollte und ihnen deshalb den Frosch, die Schlange, die Echse und ein Herr von Ameisen zur Vernichtung schickte.

Nur durch das Wohlwollen der jungfräulichen Göttin „Ñusta“ konnten die Urus gerettet werden. – Sie verwandelte Frosch, Schlange und Echse in Steine und das Heer der Ameisen in die Sanddünen in der Umgebung der Stadt Oruro. Der Legende nach flüchtete der besiegte „Huari“ endgültig in das Innere seiner Berge, zu den reichen Mineralen, um nie wieder hervorzukommen.

Im Lauf des religiösen Dualismus (1789–1900) wurde die Figur der andinen Pachamama immer stärker mit der der Heiligen Jungfrau Maria verquickt, was auch die starke Marienverehrung (nicht nur der Jungfrau vom Socavón) in Bolivien erklärt. Als die Diablada populär wurde (1900–1950), begann man auch andere Tänze zu Ehren der Jungfrau des Socavón zu tanzen. (Als Socavón wird einer der wichtigsten Eingänge zu einer der Minen in Oruro bezeichnet).

Dieser Zeitraum, in den auch die Gründung von Institutionen wie der Gran Tradicional y Auténtica Diablada Oruro (1904) fallen, ist der wichtigste für die Wiederbelebung einiger bolivianischer Tänze, die schon fast am Verschwinden waren. Nach dem Chaco-Krieg entstanden weitere wichtige Diablada-Vereinigungen: die Tradicional Folklórica Diablada Oruro (1943), die Diablada Círculo de Artes y Letras (1943) und die Fraternidad Artística y Cultural „La Diablada“ (1944). Die Mitglieder dieser Vereinigungen kommen aus der arrivierten Mittelschicht und werden „pijes“ oder „kharas“ genannt. Ab diesem Zeitpunkt nehmen höhere Gesellschaftsschichten an der Diablada teil und der einstige Tanz der Minenarbeiter beginnt, sich in ein Folkloreballett zu verwandeln. Damit verliert der Indianer auch seine dominante Rolle, die nunmehr vom „khara“ eingenommen wird.

Zwischen 1950 und 1995 wurden noch die Diablada Ferroviaria (1956) und die Diablada Urus (1960) gegründet. Die Diablada wird schließlich auch außerhalb der bolivianischen Grenzen sehr populär, besonders im Norden Chiles und Argentiniens.

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